Idols in Japan – Ihre Verbindung zur Popkultur und Geschichte des Landes - Japan, meine Liebe (2024)

Wenn viele Menschen zum ersten Mal etwas von japanischen Idols hören, oder etwas von ihnen sehen, runzeln sie entweder die Stirn, fangen an zu lachen, oder beginnen, vorschnell mit Vorurteilen um sich zu werfen. Gecastete Popgruppen sind auch in anderen Ländern nichts Ungewöhnliches und waren besonders in den 90er und Anfang der 2000er-Jahren eine feste Größe im Musikgeschäft.

Idols in Japan, egal ob Jungen oder Mädchen, haben darüber hinaus eine weitaus längere Geschichte und sind auch heute aus der Popkultur des Landes nicht mehr wegzudenken. Sie sind nicht nur ein Element der vielseitigen Unterhaltung mit direkter Fanbindung, sondern auch ein Spiegel der japanischen Denkweise und Nachkriegsgeschichte, mit all ihren positiven wie auch problematischen Aspekten.

In diesem Artikel werden wir uns primär mit der Geschichte der Idols und ihren Stand in der Gesellschaft befassen. Auch sprechen wir vorwiegend über die Idols aus der Musikindustrie und werden in einem anderen Artikel über weitere Aspekte der Idolkultur sprechen.

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1Die Takarazuka Revue der Meiji-Zeit

2Japans erste Idols und ihre Verbindung zur Nachkriegszeit

2.1Anmerkung bezüglich der Vorwürfe in Richtung Johnny Kitagawa (Stand Oktober 2023)

3Ein Ziel zu verfolgen, soll sich lohnen – Auf und Ab in der Geschichte

4Das goldene Zeitalter und der Winter der Idols

5Der Idol Frühling und das moderne Business

6Ein Leben als Idol – Geschäft und Leidenschaft

7Die SDG Idols

8Eine vielseitige Form der Unterhaltung mit Risiken aber auch Chancen

Die Takarazuka Revue der Meiji-Zeit

Auch wenn Idols nicht auf Mädchen und Frauen beschränkt sind, hat besonders die Liebe der Japaner zu Frauen, welche singen, tanzen und schauspielern eine lange Tradition. Nicht nur das Kabuki Theater selbst hat seinen eigentlichen Ursprung mit Frauen, die in der Öffentlichkeit auftraten, bis im Jahr 1629 Frauen im Allgemeinen die Teilnahme am Theater verboten wurde. Der Gedanke eines Frauenensembles auf der Bühne kann ebenso auf die Takarazuka Revue der Meiji-Zeit zurückgeführt werden.

Im Jahr 1913 gründete der Politiker und IndustrielleIchizo Kobayashi in der Stadt Takarazuka die Takarazuka Revue vor dem Hintergrund, noch mehr Menschen in die Stadt zu locken, welche bereits bekannt für ihre heißen Quellen war. Überdies war er der President des Hankyu Dentetsu Bahnunternehmens und infolgedessen interessiert daran, mehr Zugtickets in die Stadt zu verkaufen.

Da zu dieser Zeit westliche Gesangs- und Tanzshows in Japan immer beliebter wurden, und Kobayashi das Kabuki-Theater für veraltet und elitär hielt, kam er zu dem Ergebnis, dass eine reine Frauen-Theatergruppe beim Publikum großen Anklang finden könnte. Die erste Aufführung fand im Jahr 1914 statt. Zehn Jahre später war das Ensemble so populär geworden, dass es ein eigenes Theater in Takarazuka bezog, das sogenannte Dai Gekijo, was in etwa „großes Theater“ bedeutet.

Heute gibt es sogar ein weiteres Takarazuka Theater in Tokyo, welches pro Jahr ungefähr 2,5 Millionen vorwiegend weibliche Fans der Shows begeistert. Viele Stücke sind im Stil eines westlichen Musicals gehalten und basieren oftmals auch auf Geschichten aus dem Westen. Es gibt allerdings auch Manga-Umsetzungen, oder komplette Eigenproduktionen.

Idols in Japan – Ihre Verbindung zur Popkultur und Geschichte des Landes - Japan, meine Liebe (1)

Im Gegensatz zur Takarazuka Revue haben heutige Idol-Gruppen ihren Fokus zumeist auf dem Tanz und der Musik und führen nur ab und an Theaterstücke auf. Dennoch gab es schon damals einige Überschneidungen zu den heute bekannten Idols in Japan. Einer dieser Punkte ist der Gedanke, den Zuschauern Träume zu verkaufen. Aufgenommen wurden ursprünglich Mädchen und junge unverheiratete Frauen, welche auf den Grundlagen von Tugenden wie Unschuld, Aufrichtigkeit und Schönheit ausgewählt und inszeniert wurden. Auch hier ging es schon darum, den Zuschauern das scheinbar ideale Bild einer Frau zu präsentieren.

Auch war es damals nicht unüblich, dass die Performerinnen nur bis zu einem bestimmten Alter innerhalb des Ensembles blieben. Sie verließen die Revue oftmals im Alter von 35 Jahren, was im Vergleich zu heutigen Idols recht spät ist, welche meist mit Mitte 20 als Idol zurücktreten. Allerdings war das Alter weit über dem Schnitt, in dem Frauen in der Regel damals heirateten, was ihnen auch eine gewisse Selbstbestimmung gab, da sie ihren Lebensweg selbst bestimmen konnten. Dennoch war zur gleichen Zeit das Leben als Performerin in diesem Ensemble geprägt von vielen Regeln und Tabus, in Bezug darauf, wie man sich in der Öffentlichkeit zu verhalten hat.

In der Takaruzaka Revue gab es bereits eine Unterteilung in verschiedene Gruppen, welche zeitweise jeweils einen individuellen Stil hatten. Für Performerinnen, welche sowohl im Show-Business bleiben als auch eine Familie gründen wollten, gab es eine besondere Möglichkeit. Hierzu wurde die sogenannte Senka Abteilung innerhalb der Revue gegründet. Dies ermöglichte es ihnen, nicht allein im Fokus der Medien zu stehen, aber dennoch regelmäßig kleinere Rollen innerhalb der eigentlichen Stücke zu spielen.

Vergleichbar ist die Senka z.B. mit dem heutigen M-Line Club. Hier haben ehemalige Idols aus dem Verband des Hello Projects die Chance, ohne die persönlichen Verhaltensregeln eines Idols (z.B. nicht rauchen, kein Alkohol, keine öffentliche Beziehung zu führen) weiter solo oder in Gruppen auf der Bühne zu stehen.

Japans erste Idols und ihre Verbindung zur Nachkriegszeit

Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg lagen viele Teile von Japan in Schutt und Asche. Der Krieg hatte die Wirtschaft und die Gesellschaft an sich an den Rand des Zusammenbruchs getrieben. Die Menschen in Japan begannen langsam mit dem Neuaufbau, und mit dem Glauben an Zusammenhalt und harte Arbeit schaffte es die Nation zurück zu neuem Glanz.

Die Erinnerung an diese Zeit sollte am Ende auch die Grundidee für die Idols werden, die heute einen großen Teil der Medienlandschaft in Japan beherrschen. Im Jahr 1962 gründete Johnny Kitagawa* die Band „Johnnys“. Zusammengestellt aus mehreren jungen gecasteten Männern bildete diese auch den Grundstein für das bis heute erfolgreiche Johnnys Entertainment.

Anmerkung bezüglich der Vorwürfe in Richtung Johnny Kitagawa (Stand Oktober 2023)

*Aktuell sind erste Vorwürfe in Richtung Johnny Kitagawa an die Öffentlichkeit geraten, in denen ihm von vermeintlichen Opfern vorgeworfen wird, sie im Zeitraum von den 80er-Jahren bis in die 2000er sexuell missbraucht zu haben. Aktuell sind es acht Personen, welche mit diesen Vorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen sind. Auch die Agency Johnny Entertainment hat sich zu den Vorwürfen geäußert. Sie sagt, dass sie bereits nach dem Tod von Johnny Kitagawa im Jahr 2019 neue Systeme eingerichtet und unabhängige Institutionen in die Arbeit des Unternehmens integriert haben, um die Sicherheit der Idols zu gewährleisten. Stand Oktober 2023 ist es, dass sich wohl noch weitere Betroffene zu Wort gemeldet haben und die Vorwürfe auch wohl auch immer weiter bestätigen. Jonny’s Entertainment zieht nun auch in Erwägung den Namen der Agentur Zu ändern. Mit diesem Absatz möchten wir vorerst unabhängig vom Ausgang der aktuellen Situation auf die momentane Problematik im Kontext des Namen Johnny Kitagawa hinweisen, werden ihn jedoch aufgrund der historischen Bedeutung dennoch im Artikel erwähnt lassen.

Johnny Kitagawa gilt auch als Pionier des Idol-Training-Systems. Hierbei wurden Talente in jungen Jahren in eine Agentur aufgenommen und nicht nur im Gesang, sondern auch im Tanz und in der Schauspielerei ausgebildet, bis sie bereit für ihr Debüt waren.

Rückblickend wird die Band „Johnnys“ als die erste Idol Band Japans bezeichnet, aus dem Grund, da das Konzept als solches noch neu war und es den Begriff Idol noch nicht als Bezeichnung hierfür gab. Die Bezeichnung Idol bekam im Mainstream nämlich erst im Jahr 1964 eine wirkliche Bedeutung in Japan als der französische Film „Cherchez l’idole“ unter dem Namen „Idoru wo sagase“ in die japanischen Kinos kam.

Die Schauspielerin Sylvie Vartan sang im Film das Lied „La plus belle pour aller danser“, was ein riesiger Erfolg in Japan wurde. Sylvie Vartan kreierte in diesem Film auch die Definition von Idols in Japan, da sie besonders für ihr jugendliches, liebenswertes Aussehen und ihr musikalisches Talent gelobt wurde. All dies waren Elemente, welche man mit der Zeit immer mehr mit den Idols in Verbindung bringen sollte.

Idols in Japan – Ihre Verbindung zur Popkultur und Geschichte des Landes - Japan, meine Liebe (2)

Die Verbindung zur Nachkriegszeit in Japan erkennt man schnell, wenn man sich ein wenig genauer anschaut, wie Idols schon damals in Japan funktionierten. Von Anfang an war es wichtig, dass Idols als unterhaltsame und vielseitige Akteure auf der Bühne dargestellt wurden. Zugleich wollte man den Aspekt des Zusammenhaltes, des harten Trainings, also der harten Arbeit, mit der man ein gewünschtes Ziel erreichen kann, repräsentieren. Dieses Training war eine Art Spiegelbild der jüngeren Vergangenheit, um den Menschen aufzuzeigen, dass man die Hoffnung nicht aufgeben und seine Träume verfolgen sollte.

Ende der 60er und Anfang der 70er-Jahre schafften Idols darüber hinaus eine Möglichkeit, der oftmals chaotischen Realität zu entkommen. In dieser Zeit kam es zu vielen Protesten von Studierenden gegen die Regierung des Landes. Man wollte auf die zahlreichen Probleme im Bildungssystem aufmerksam machen, darunter auch unbezahlte Praktika. Die Regierung ging gegen diese Proteste gewaltsam vor und schlug sie am Ende nieder. In der folgenden Zeit gab es darüber hinaus zahlreiche politische Veränderungen und Unsicherheiten, was die Zukunft Japans anging, weswegen für viele Menschen die für Hoffnung und Aufbau stehenden Idols ein passendes Ventil waren.

Ein Ziel zu verfolgen, soll sich lohnen – Auf und Ab in der Geschichte

Dieses spiegelt sich auch in einem weiteren Aspekt wider, welchen man bei vielen Idols beobachten kann. In anderen Ländern sind Sängerinnen und Sänger in der Regel erst auf der Bühne zu sehen, wenn sie ein professionelles Level erreicht haben. Bei japanischen Idols ist es jedoch nicht unüblich, dass diese ihren ersten Auftritt bereits in jungen Jahren und relativ unerfahren haben. Der Fakt des oftmals relativ jungen Alters spielt da ebenso mit rein, wie die Unerfahrenheit in Gesang und Tanz.

Nicht selten kommt es gerade bei neu gegründeten Gruppen vor, dass nicht immer der richtige Ton beim Gesang getroffen wird, dass Choreografien nicht reibungslos präsentiert werden, oder die Erschöpfung in der Stimme deutlich zu hören ist. Diese scheinbare Unzulänglichkeit ist gewollt, denn oftmals ist es bei Idols das Ziel, den Fan an der Reise zum Star teilhaben zu lassen.

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Das goldene Zeitalter und der Winter der Idols

Zu Beginn noch auf die reine Bühnenpräsenz beschränkt, stieg die Präsenz von Idols Anfang der 80er-Jahre im Fernsehen immer weiter. Die Zuschauer bekamen immer genauere Einblicke in das offenbar aufregende Leben der Stars. Dies war auch die Zeit, welche als das goldene Zeitalter der Idols bezeichnet wird. Zahlreiche Gruppen und Solo Performer entstanden in dieser Zeit.

Akina Nakamori ist einer dieser Stars aus der goldenen Zeit und zählt noch heute zu einer der erfolgreichsten Musikerinnen des Landes. Auf der anderen Seite gab es in dieser Zeit natürlich auch zahlreiche kurzlebige Idols, welche nach einer relativ kurzen Zeit zurück in ihr normales Leben zurückkehrten. In dieser goldenen Zeit erweiterte sich auch das Training dahin gehend, dass ein energiegeladener Tanz Teil der Sing-Performance wurde.

Während sich Gruppen mit Mädchen aus allen Teilen des Landes und von verschiedenen Agenturen gemeinsam auf den Fernsehbildschirmen tummelten, waren es bei den Bands mit jungen Männern vor allem die Gruppen von Johnnys Entertainment, welche Erfolge verbuchen konnten. Das lag allerdings nicht an einem Mangel an Innovation, sondern vor allem daran, dass Johnny Kitagawa die Fernsehstationen so weit kontrollieren konnte, dass er ihnen zur Auflage machte, keine Bands anderer Agenturen einzuladen. Andernfalls würden seine Gruppen nicht mehr bei ihnen auftreten.

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In den 90er-Jahren klang der Boom der singenden Stars immer weiter ab und diese Zeit wird in der Retrospektive auch als der Winter der Idols bezeichnet. Dieser entstand aus dem Zusammenbruch der japanischen Wirtschaft sowie dem daraus folgenden Wechsel des Interesses in Bezug auf die Musiklandschaft. Natürlich gab es auch in dieser Zeit erfolgreiche Produktionen, doch das Interesse junger Menschen, einer Idol-Gruppe beizutreten, verschwand. Man wollte lieber ein individueller Performer werden, oder eine Rockband gründen und so berühmt werden.

Es kam zudem dazu, dass die Definition von Idols ein wenig verwässert wurde. Namie Amuro war technisch gesehen nie ein Idol, wurde aber von den Mainstreammedien dennoch oft als ein solches bezeichnet. Überdies war sie auch eine der ersten Künstlerinnen in Japan, welche auch bei den jungen Frauen eine große Fangemeinde aufbauen konnte. Es gab zudem verschiedene Gruppen, welche zuerst gar nicht als Idol gesehen werden wollten, sich dann aber selbst zu einer Idol-Gruppe formierten.

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In dieser Zeit, als die Idols als solche immer weniger wurden, kam es auch vermehrt dazu, dass immer jüngere Mädchen für Idol-Gruppen gecastet wurden. Diese begannen ihre Ausbildung als Idol oftmals bereits vor dem 10. Lebensjahr und wurden zu Beginn als Child Idols oder als Chidol bezeichnet. Diese Bezeichnung änderte sich allerdings Anfang der 2000er-Jahre, und sie werden heute als Junior Idols bezeichnet.

Der Idol Frühling und das moderne Business

Anfang der 2000er-Jahre gab es außerdem noch einmal ein kleines Idol-Hoch mit dem Aufkommen von Morning Musume und dem um sie herum aufgebauten Hello Project. Diese Zeit wird als der Frühling der Idols bezeichnet. Vor allem Morning Musume konnte als primäre Gruppe des Hello Projects beeindruckende Erfolge feiern.

Ferner hat es das Hello Project geschafft, sich eine immer weiter wachsende weibliche Fan-Basis aufzubauen. Das sorgte auch dafür, dass auf Konzerten die Verhaltensregeln in den Zuschauerbereichen angepasst wurden, um die Konzerte für die Mädchen und Frauen sicherer zu gestalten. Wie man sich vorstellen kann, kann es an der Seite von etwas übereifrigen männlichen Fans, die wild herumspringen, auch schon einmal zu Verletzungen kommen.

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Das moderne Idol Business wurde dann aber im Jahr 2005 mit der Gründung von AKB 48 ins Leben gerufen. Im Vergleich zu anderen Gruppen singen AKB 48 nicht live auf der Bühne, sondern performen Lipsyncs (auf Japanisch: Kuchipaku). Doch da hier die Fans die neuen Mitglieder der Gruppe wählen und verschiedene Fantreffen wie Handshake Events eingeführt wurden, entstand eine komplett neue Bindung zwischen Star und Fan.

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Diese Bindung kann man natürlich auch als problematisch betrachten. Während man als Fan durch Treffen, Konzerte, Blogs und Auftritte in den sozialen Medien seinen Stars scheinbar immer näher kommt, kann es schnell passieren, dass man vergisst, dass dort auf der Bühne gearbeitet wird.

Video Chats mit einem Performer können auch falsche Hoffnungen bei Fans wecken, in Verbindung mit fataler Obsession. Angesichts dessen ist es Idols aus bestimmten Agenturen untersagt, persönlich Geschenke von Fans anzunehmen oder ihnen direkt auf Briefe zu antworten.

Die Bedeutsamkeit von Idols in Japan kann man heute auch daran erkennen, dass es kein individueller Künstler war, der zum ersten Mal im Nationalstadium in Tokyo auftrat, sondern die Idol-Gruppe Momoiro Clover Z. Diese bricht mit ihren Auftritten regelmäßig neue Rekorde beim Thema Zuschauerzahlen.

Während zu Beginn die Idols ein Spiegel des Wiederaufbaus des Landes waren und die Menschen so ermutigten, alles zu geben, spiegeln sie heute aktuelle Chancen und auch Problemen wider. Oftmals geht es in den Liedern darum, zu sich selbst zu stehen und für sein eigenes Glück zu arbeiten oder zu kämpfen. Auch auf festgefahrene Eigenschaften der Gesellschaft wird hingewiesen, wie z.B. beim japanischen Sprichwort: Der Nagel, der herausragt, wird eingeschlagen. Das Lied „De sugi ta kui wa uta re nai“ (auf Deutsch: Der Nagel, der herausragt, wird nicht eingeschlagen) von Angerme geht genau auf dieses japanische Sprichwort ein.

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Ein Leben als Idol – Geschäft und Leidenschaft

Gecaste Gruppe werden von Teilen der Musikfans nicht so hoch angesehen. Man betrachtet die Performer vor allem als ein Werkzeug einer Industrie. Hier muss aber auch ein Blick auf die geworfen werden, welche das Leben als Idol gemeinsam mit ihrer Gruppe als mehr betrachten als es nach außen hin manchmal den Anschein macht.

Je nach Agentur haben Performer ein gewisses Mitspracherecht bei verschiedensten Entscheidungen. Ob es nun um die Wahl der Kostüme geht, die Auswahl von Liedern oder auch um die Produktion von Videos und Büchern. Immer wieder haben Idols die Möglichkeit, von ihrem aktuellen oder auch bisherigen Leben zu erzählen.

Takahashi Ai, ehemaliger Leader von Morning Musume hat die Gruppe als mehr als nur eine Pop Band bezeichnet. Michishige Sayumi lebt auch jetzt, Jahre nach ihrem Ausstieg aus der Band, ihr individuelles Leben als ein Idol weiter, ohne direkt unter dem Dach einer Idol-Agentur zu stehen. Und auch Ayaka Sasaki von Momoiro Clover Z ist für ihre Professionalität bei der Produktion von verschiedenen Artikeln bekannt (z.B. Bücher).

Oftmals ist das Leben als Idol auch eine Art Sprungbrett in andere Bereiche der Unterhaltungsindustrie. Viele von ihnen arbeiten später als Solo Performer, als Model oder Theaterschauspieler. Die vielseitige Ausbildung und Erfahrung in ihrer aktiven Zeit unter einer Agentur sorgt für eine vielseitige Basis, sodass beinahe jeder, der weiter im Showbusiness bleiben möchte, auch eine Chance dazu erhält.

Die SDG Idols

Die Abbildung aktueller wichtiger Themen im Idol-Genre kann man an einem Beispiel sehr gut erkennen. Im November 2021 gab die Videoproduktionsfirma Chiyoda Raft bekannt, dass sie eine Idol-Gruppe gegründet hat, mit dem Schwerpunkt auf den SDGs und der Mission, „die Botschaft der SDGs auf eine fröhliche, unterhaltsame und niedliche Art und Weise“ in der Welt zu verbreiten.

Untersuchungen hatten ergeben, dass mehr als 40 % der Menschen immer noch kein Interesse an den SDGs haben oder sie nicht verstehen. Da bis zum Jahr 2030 weniger als zehn Jahre verbleiben (bis man die Ziele erreicht haben will), sah Chiyoda Raft die Notwendigkeit, sofort zu handeln. Durch die Verbreitung des Bewusstseins über diese Initiative wollen sie einen Beitrag zur Erreichung der Ziele leisten. Die Gruppe konzentriert sich nicht nur auf Themen, die direkt in den SDGs erwähnt werden, sondern auch auf solche, die mit ihnen verbunden sind (z.B. gleiche Rechte für die LGBTQ+ Gemeinschaft).

Der Name der Gruppe ist CoCoLo ♡ RiPPLE. „Kokoro“ bedeutet „Herz“ auf Japanisch und „Ripple“ ist Englisch und bezieht sich auf das Gefühl des „sich Ausbreitens“. Die Gruppe besteht aus sieben jungen Frauen, die aus den rund 300 Bewerberinnen ausgewählt wurden, welche sich im Juli 2021 beworben hatten.

Mit der Veröffentlichung der ersten Single „Home Party“ am 7. Januar 2022 startete Chiyoda Raft auch eine Crowdfunding-Kampagne zur Unterstützung der Gruppe und verschiedener SDG-bezogener Projekte. Auf dem offiziellen YouTube-Kanal der Gruppe findet man nicht nur Musikinhalte, sondern auch unterhaltsame Videos, in denen die Mitglieder verschiedene SDG-Ziele erklären. Die zweite Single mit dem Titel „Plastic no koi“ wurde am 12. Februar veröffentlicht, die dritte Single „Break Through“ am 31. März.

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Eine vielseitige Form der Unterhaltung mit Risiken aber auch Chancen

Die Regeln der Idols, wie sie sich in der Öffentlichkeit zu verhalten haben, sind teilweise sehr streng (Skandale sind tabu!) und eine Änderung, sowie ein realistischeres Bild vonseiten der Fans wäre hier wünschenswert. Doch während wir Idols und ihre Fans im Vergleich mit anderen Nationen und ihren Stars betrachten müssen, bieten sich hier auch zahlreiche Chancen.

Nicht nur sind Idols in verschiedenen Teilen der Unterhaltungsindustrie ein kaum noch wegzudenkender Aspekt, auch die Möglichkeiten – aufgrund ihrer Beliebtheit – wichtige Themen zu vermitteln, sollte nicht unterschätzt werden. Immer wieder gibt es gemeinschaftliche Projekte zum Thema Sicherheit, oder auch solche, die die Wertschätzung der Natur und des Landlebens präsentieren, um hier eine wichtige Botschaft zu senden.

Es gibt einige kritische Punkte bezüglich Idols, doch bieten sie zahlreiche Möglichkeiten, Themen zu besprechen, Neues zu lernen, und auf die Zukunft zu blicken, während dabei vorwiegend der Spaß an der Sache im Vordergrund steht.

Wer es ein wenig traditioneller möchte, der findet in unserem Artikel Dentou Geino – Traditionelles Theater in Japan einen weiteren detaillierten Beitrag zum Thema Kunst.

Idols in Japan – Ihre Verbindung zur Popkultur und Geschichte des Landes - Japan, meine Liebe (2024)
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Author: Carlyn Walter

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Name: Carlyn Walter

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